So.

24.03.2024

Sparkasse Elmshorn

Peter Urban & Stefanie Hempel

                                                                                                                           Foto: Johanna Lippke

Auch diesen Bericht hat Michael Spies für uns geschrieben!

    Ein Mann mit Geschichte(n) 
 

                         Lesung mit Peter Urban in der Sparkasse Elmshorn am 24.03.2024
 

Der am 14 April 1948 im niedersächsischen Bramsche geborene Musikjournalist und Radiomoderator Peter Urban ist ein wahrer Kenner der Musikszene.

 

Er studierte in Hamburg Englisch und Geschichte und schrieb seine Doktorarbeit mit dem Titel “Rollende Worte, die Poesie des Rock”.

1974 schrieb er einen Brief an den NDR Moderator Klaus Wellershaus, in dem er ihn auf einen Fehler in seiner Berichterstattung hinwies und wurde dadurch letztendlich freier Mitarbeiter beim NDR. Er war seitdem für viele wichtige Musiksendungen verantwortlich. Das von ihm moderierte “  Musik nach der Schule”  zur idealen  Sendezeit um 13:30 Uhr trug viel zur musikalischen Sozialisation der jugendlichen Hörer bei.

 

Seit 1997 war er 25 Jahre lang-nur einmal unterbrochen wegen  einer seiner 12 Hüftoperationen- die  deutsche Stimme des Eurovision Song Contest. 

Peter Urban hat einmal über die Bedeutung von Musik folgendes gesagt:

“ Eins bleibt immer,  es muss immer Gefühl da sein und irgendwas von Herzen kommen”.

 

Seine große Begabung besteht im aufspüren guter Musik- oft abseits des Mainstream- , um sie dann als Fan und Moderator dem Hörer in seinen Sendungen nahezubringen.Bei ihm konnte man Bob Marley schon hören, bevor dieser in Deutschland bekannt war. Bei der Lektüre seiner im Mai 2023 erschienen Memoiren “ On Air”  wurden bei mir  viele Erinnerungen wach. Wie Peter wuchs auch ich in einer Kleinstadt auf. Schallplatten gab es nur im Elektrofachgeschäft und. die meisten Erwachsenen hatten so ihre Berührungsängste mit der Popmusik.

 

Als Liebhaber von Soul, Blues und West Coast Musik besuchte ich schon damals  viele Live Konzerte.So erlebte ich in den 70er Jahren das erste Konzert von “Bad News “im Remter,  ein damals angesagter Club in der Nähe des Dammtor Bahnhofs. Dort sah ich den Tasten Wizard Peter Urban zum ersten Mal.Nach den Konzerten von “Bad News”gab es oft noch eine Jam Session, an der manchmal auch der damals noch unbekannte Otto Waalkes teilnahm.

 

Als 16-Jähriger besuchte ich zum ersten Mal London und kam mit Erinnerungen an unvergessliche Konzerterlebnisse zurück .Deshalb kann ich die Glücksgefühle nachempfinden,  die eine unverhoffte Begegnung mit einem verehrten Musiker auslösen.

 

Auch heute noch spürt man die Begeisterung, wenn Peter von seinen Begegnungen mit den Beatles, Stevie Winwood oder Eric Clapton erzählt. Beim ersten Auftritt von einem noch unbekannten Jimi Hendrix oder Elton John dabei gewesen zu sein, das ist etwas so besonderes, daß kann man nur wirklich würdigen ,wenn,man selbst ein  Nerd ist.

 

Das Peter auch ein Herz für Musik Verrückte hat beweist auch Lottes folgende Geschichte:

Lotte war mit seiner alten Mutter zu einem Konzert in die Fabrik gekommen. nach dem Konzert betritt Lotte dreist den Übertragungswagen des NDR  und bittet den darin befindlichen Peter Urban um einen Mitschnitt des Konzertes .Drei Wochen später kam tatsächlich ein Paket vom NDR bei Lotte an.

 

Peter erzählte sehr lebendig über seine Begegnung mit den vielen prominenten Stars aus der Musikbranche. Er sprach insbesondere  über seine Interviews mit Yoko Ono ,Joni Mitchell, Bruce Springsteen, Diana Ross und  Keith Richards. Selbst ein guter Musiker zu sein, hat Peter Urban bestimmt den Zugang zu vielen Musikern, die er interviewte, erleichtert und manchmal auch erst ermöglicht. 

 

Er beschrieb sehr treffend die Eppendorfer Szene der 70er Jahre  und teilte seine vielen Erinnerungen an das Onkel Pö  mit uns. Ein persönliches Highlight war sicher Peters Duett mit Joe Cocker- totally unplugged-, weil der Strom ausgefallen war.

Aus erster Hand erfuhren wir viel über die musikalische Entwicklung Peter Urbans vom klingelnden Messdiener über seine Mitgliedschaft im Urbani Hausorchester und bei den “Quaktown  Rhythm Kings “ bis zu” Pussy “und” Bad News fReunion”.

 

Zum Schluss seiner sehr unterhaltsamen Lesung kam er noch einmal ausführlicher auf seine 25 Jahre beim ESC zu sprechen. Er war nicht nur wegen seiner markanten Stimme ein Glücksfall für den ESC. 

Erfreulicherweise ging ihm auch die marktschreierische Zwangsfröhlichkeit mancher Moderatoren völlig ab. Nie gab es von ihm abfällige oder gar verletzende Kommentare. Er hat es bestimmt geschafft ,manchen gegenüber dem ESC voreingenommenen Zuschauer für diese Sendung zu gewinnen-

 

Eine großartige Idee des Veranstalters war es, Stefanie Hempel als musikalische Begleiterin der Lesung zu gewinnen . So wurden die interessanten Berichte von Peter immer wieder von zur Story passenden Liedern unterbrochen . Natürlich gab es  Stücke von den Beatles und Joni Mitchell,  aber auch wunderschöne Coverversionen von den Beach Boys und Rolling Stones.

 

Auch wenn er seine Memoiren geschrieben hat, ist Peter Urban noch lange nicht im Ruhestand. Man kann ihn auf” NDR 2 Soundcheck Die Peter-Urban- Show”, im” Nachtclub” bei NDR Blue und im Podcast “Urban Pop - Musiktalk mit Peter Urban” hören.

 

Einen wie Peter Urban wird die Musik nie aus ihren Fängen lassen. Und das ist gut so.

Peter hat dazu einmal sehr zutreffend angemerkt: “Musik hat auch eine so große Kraft, sie kann zwar die Welt nicht ändern, aber sie kann Sachen beschleunigen, kann Leute trösten, wenn sie Schmerzen haben , wenn sie traurig sind. Sie kann aber auch jubilieren und Freude und Spaß ausdrücken.”

 


                                                                                                                         Fotos: Johanna Lippke